„Auf der Leinwand kann man nicht mogeln“

Regisseur Bernd Böhlich realisiert Postproduktion für„Der Mond und andere Liebhaber“ in Leipzig

„So’ne kleine Frau“ hat Tamara Danz mit ihrer Band Silly vor
über zwanzig Jahren gesungen. Das Lied ging Bernd Böhlich
seitdem nicht mehr aus dem Ohr. „Ich wollte einen Film
machen, der das Gefühl des Liedes vermittelt“, sagte der Regisseur,
als er in der media city leipzig am Ton der Fernsehfassung
arbeitete. Sein Liebesdrama „Der Mond und andere
Liebhaber“ mit Katharina Thalbach, Detlef Buck, Birol Ünel,
Andreas Schmidt, Fritzi Haberlandt und Steffen Scheumann
in den Hauptrollen kommt im Juli in die deutschen Kinos.

    


Überraschung in der Postproduktion

Bei der Synchron- und Tonstudio Leipzig GmbH wurde der
Ton für die Kino- und Fernsehfassung gemischt. Bernd Böhlich
und Schnittmeisterin Esther Weinert begannen im September
vergangenen Jahres mit den ersten Arbeiten. Bis in
diesen April tüftelten sie am richtigen Sound.
„Für die Fernsehfassung wurden noch einmal einige Szenen
aus dem Kinofilm verändert“, sagt Schnittmeisterin Esther
Weinert. Während der Postproduktion fiel auch die Entscheidung,
den Auftakt des Films noch einmal komplett zu ändern.
„Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit, die wir hoffentlich
fortsetzen können“, sagt Andreas Richter, Produktionsleiter
bei der Synchron- und Tonstudio Leipzig GmbH.

Drehbuch nur für Thalbach

„Der Mond und andere Liebhaber“ erzählt die Geschichte einer
Frau, die nicht viel will, sondern einfach alles: Das Gefühl,
am Leben zu sein. Durch keine Rückschläge lässt sich Hanna
umhauen, sie bezieht immer neuen Lebensmut aus ihrem unverwüstlichen
Willen.
Auch ein schwieriger Film müsse Mut und Kraft geben und
nicht deprimieren, sagt Böhlich, denn: „Betroffenheitskino ist
nicht schwer.“ Dass der Film am Ende Kraft und Zuversicht
ausstrahlt, ist vor allem der Verdienst von Katharina Thalbach.
Die kleine Berlinerin beweist einmal mehr, dass sie eine
der bedeutendsten Schauspielerinnen ihrer Generation ist.

Leinwand ist unbestechlich

Mit Katharina Thalbach hat Regisseur Böhlich schon bei seinem
letzten Film „Du bist nicht allein“ zusammengearbeitet.
Die Berlinerin war seine Wunschbesetzung. „Ich habe das
Drehbuch extra für Katharina Thalbach geschrieben“, sagte
er:
Für ihn gibt es Stoffe, die erst auf der Leinwand richtig zur
Geltung kommen. Dazu gehört „Der Mond und andere Liebhaber“.
Auf der Leinwand werden viele Details ungeschminkt
sichtbar. Schauspieler und Regisseur können sich nicht verstecken.
„Da kann man nicht mogeln“, sagt Böhlich.



Preis in Schwerin

Auf dem Filmfestival Mecklenburg-Vorpommern erlebte der
Film im Mai seine Feuertaufe vor Publikum. Zwei Tage vor
der ersten Aufführung war der Film erst aus dem Kopierwerk
gekommen. Die zwei Vorstellungen in Schwerin waren restlos
ausverkauft. Der Applaus war für den Regisseur ein befreiender
Moment.
Die Reaktion sei so gewesen, wie er sie sich in seinen kühnsten
Träumen erhofft habe, so Böhlich. „Das beweist, dass
wir mit unseren Gedanken richtig lagen“, sagt Böhlich. Als
Sahnehäubchen gab es noch den „Cinestar“-Award. Im Juli
läuft „Der Mond und andere Liebhaber“ im Wettbewerb des
Internationalen Filmfestivals in Moskau.

(Quelle: DREFA Newsletter 06/08, LINK )

Der Ton muss stimmen

   

Neue Kinderserie „Magna Aura“ wird bei der Synchron- und Tonstudio Leipzig GmbH synchronisiert

Die Sonne strahlt vom Himmel. Es herrscht bestes Biergartenwetter. Im abgedunkelten Regieraum sitzen Regisseurin Irina Popow und Tonmeister Bernd Göbel. Im Studio steht Gunter Schoß hinter dem Mikro. „Ich habe zwischendurch geatmet“, ärgert sich der Schauspieler. Die Szene läuft noch einmal auf dem Bildschirm. Bei der Synchron- und Tonstudio GmbH Leipzig läuft die Synchronisation der deutsch-bulgarischen Kinderserie „Magna Aura“. Die Saxonia Media GmbH hat die dreizehnteilige Serie von Mai bis Oktober vergangenen Jahres in Bulgarien gedreht.

Vier Ohren hören alles

Knapp zwei Monate dauert die Synchronisation im Leipziger Studio. 25 bis 30 Takes, die einzelnen Aufnahmen, die eine Szene ergeben, schafft ein Schauspieler in der Stunde. Bei Kindern dauert es etwas länger. Für die Synchronisation wurde ein eigenes Synchronbuch geschrieben. Vor jeder neuen Szene probt Gunter Schoß mehrfach, um ein Gefühl für die richtige Tonlage zu bekommen. Regisseurin Irina Popow macht Gunter Schoß Vorschläge, wie ein Wort anders betont werden könnte. Die markante, raue Stimme des Schauspielers muss akkurat auf jeden Filmausschnitt passen. Szene für Szene hakt Irina Popow in ihrem Skript ab. Tonmeister Bernd Göbel sitzt neben der Regisseurin. „Das war ein bisschen lang“, sagt er zu Gunter Schoß. Vier Ohren hören mehr als zwei, heißt hier die Devise. Drehen und Synchronisieren mache beides Spaß, sagt Regisseurin Irina Popow. Die Arbeit im Studio sei natürlich nicht mit den Dreharbeiten zu vergleichen, bei denen ein großer Stab zu koordinieren ist. In der nächsten Szene muss Schoß mit vollem Mund sprechen und seinen Widersacher, einen Immobilienmakler, aus dem Haus werfen. „Gunter, hol’ dir mal ein Stück Kuchen“, sagt die Regisseurin ins Mikro.

Rhythmus finden

Den Rhythmus der Szene wiederzufinden, sei einfach, sagt Schoß, der in dem Film eine Doppelrolle spielt. Schwieriger sei es hingegen, dass der Text in seine Einzelteile zerlegt ist. Der erfahrene Synchronsprecher weiß aber am besten, wann er die richtige Tonlage nicht getroffen hat. „Am Ende muss ich noch ein bisschen Gas geben“, sagt er. Beim richtigen Einsatz geht es manchmal um Sekundenbruchteile. Manche Kollegen synchronisieren auch im Sitzen. „Ich stehe lieber“, sagt Gunter Schoß. Das gibt eine andere Spannung im Körper.

Die Story

Der 13-jährige Christian verbringt die Ferien bei seinem Großvater Ronson (Gunter Schoß) am Meer. Die beiden verbindet ein Traum: Die Suche nach der vor 1.000 Jahren an dieser Küste versunkenen Stadt Magna Aura. Am Strand trifft Christian auf seinen ärgsten Widersacher aus der Schule, Mark, der mit seinem kleinen Bruder Nick und der hübschen Joana ins nahe gelegene Abenteuercamp gereist ist. Um Joana zu imponieren, bricht Mark mit Nick und Joana abends in Ronsons Haus ein. Ein starkes Gewitter lässt auf dem Turm ein magisches blaues Licht entstehen, in dem Christian, Mark, Joana und Nick verschwinden. Sie geraten nach Magna Aura und lernen das aufregende Leben der Stadt kennen.

Quelle: http://www.drefa.de/index.php?id=713

  Sprecherkinder - Die kleinen Profis

Der Schauspieler steht auf der Bühne oder vor der Kamera und er kann Filme synchronisieren. Woher aber nimmt man die Kinderstimmen für die deutsche Fassung eines Filmes? Viele Kinder finden dieses Thema hochinteressant. Wie klingt es, wenn man sich hinsetzt oder einen Berg erklimmt? Die Fernsehbilder dieser Szenen sind eindeutig. Aber auch, wenn keiner spricht, ist etwas zu hören. Genau diese Geräusche herzustellen, ist ebenso ein Kunststück, wie den deutschen Text exakt in die Mundbewegungen des fremdsprachlichen Kindes zu legen.

Die Illusion den Originalton zu hören, muss perfekt sein. Das gelingt nicht jedem, denn Begabung gehört dazu, aber es kann auch trainiert werden. Theaterspielen und kleine Hörspiele produzieren sind Vorübungen dazu. Aber eben nicht dasselbe, denn vor dem Mikrophon im dunklen Aufnahmeraum muss absolut Ruhe herrschen. Körperliches Mitspielen ist so gut wie nicht möglich und muss nur im Kopf stattfinden.

Jeden Donnerstagnachmittag treffen sich die Kinder um Katrin Fischer, die vor 20 Jahren für den Rundfunk, und Anfang der 90-iger Jahre auch für das Synchronstudio "Künstlerisches Sprechen" zu lehren begann, zum Üben in den Räumen von "STL", dem Synchron- und Tonstudio Leipzig.

Sie trainieren die hochdeutsche Aussprache, den Ausdruck der Sprechstimme und spezielle Techniken, wie Lachen, Weinen oder technisch richtig zu schreien. Und natürlich üben sie sich dabei im Lesen, in der freien Rede und im genauen Zuhören. Immer wieder werden Buchvorstellungen oder Szenenimprovisationen aufgenommen und kritisch abgehört. Auch alte Zungenbrecher gehören zum Programm. Lohn der Mühe sind Synchronrollen in den verschiedensten Filmen vom Krimi über den Kinderfilm bis hin zum Zeichentrickgenre.

Gerade ist eine neue Kinderserie in Arbeit. Es ist eine sehr schöne schwedische Produktion, die synchronisiert werden soll: "Die Kinder auf der Luna". Nun beginnt die Suche nach den geeignetsten Stimmen für die Kinder im Film, also ein Casting. Man sagt, die Stimme "muss aus dem Gesicht kommen". Katrin Fischer lässt alle Kinder der entsprechenden Altersgruppe eine ganz kleine Szene des Filmes synchronisieren. Denn auch wenn man die Rolle nicht bekommt, war das Üben im Studio spannend und informativ.

Klara (9 Jahre) ist zum ersten Mal im Studio. Das ist etwas ganz anderes als die Mikrophonübungen bisher. Ganz konzentriert hört sie sich die Hinweise über die technischen Abläufe an. Sie wird für eine der vier Hauptrollen, die der "Perle", gecastet. Ihre Stimme ist ideal für das Kind im Film, aber wird sie auch den großen Anforderungen dieser Arbeit gewachsen sein?! Erstaunlich schnell erfasst sie den Rhythmus der Szene und kann alles Hörbare mitspielen. Die Anweisungen von Katrin Fischer zur inhaltlichen Situation setzt sie sofort um. Klara bekommt die Rolle und wird nun viele Tage neben der Schule im Studio dem schwedischen Kind ihre Stimme leihen.

Für die Rolle der fünfzehnjährigen Mercedes, in dem selben Film, kommen vier Mädchen der Gruppe in die engere Wahl. Natürlich sind drei nach der Entscheidung traurig, aber das gehört auch zur Arbeit dieser Gruppe. Man gönnt sich gegenseitig die Besetzung, denn jedes weiß, nach welchen Kriterien ausgewählt wird. Laura zum Beispiel klingt zu jung. Aber sie hat mit erst dreizehn Lenzen ja sicher noch manche Chance.

Nachwuchssorgen gibt es so gut wie keine. Immer wieder werden Freunde mitgebracht und wenn sie den Satz "Ich schreibe eine tschechische Geschichte." korrekt aussprechen können, dann sind sie für 4 Schnupperstunden zu Gast. Danach wird über eine Aufnahme entschieden.

Quelle: www.drefa.de Newsletter Mai 2002